Ein Hoch auf die Unabhängigkeit

Das Spektakel, das sich in Amerika jedes Jahr am 4. Juli abspielt, ist für Bundesbürger wohl am besten mit dem Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft zu vergleichen. Da werden Nationalflaggen geschwenkt, wohin das Auge reicht. Da werden Grills angeworfen und Barbecues veranstaltet, da wird getanzt und gefeiert, da wird gesungen und gelacht. Und das seit inzwischen 246 Jahren immer wieder aufs Neue – sofern es die Pandemie zulässt.

Ein eindeutiges Zeichen mitten im Krieg

Was die Menschen in den Vereinigten Staaten am 4. Juli feiern, ist der Unabhängigkeitstag oder Independence Day. Im Jahr 1776 nämlich unterzeichneten Vertreter der 13 britischen Kolonien in Amerika die so genannte Unabhängigkeitserklärung. Im Land tobte ein Krieg, der bereits im Jahr zuvor begonnen hatte und auch noch sieben weitere lange Jahre dauern würde. Das Ziel der Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks: Endlich frei in ihrer neuen Heimat entscheiden und wirtschaften können – ohne den Einfluss der ungeliebten Kolonialherren aus Großbritannien. Mit der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 setzen die Amerikaner ihrem Bestreben nach Eigenständigkeit ein unmissverständliches Zeichen. Darin heißt es unter anderem: „Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.“ Damit war die Deklaration nicht nur die Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten, sondern auch eines der wirkungsmächtigsten Dokumente der demokratischen Staatsphilosophie. Dass diese Programmatik und der Gleichheitsgrundsatz – alle Menschen sind gleich geschaffen – Generationen inspirierte, macht die Unabhängigkeitserklärung bis heute zum welthistorischen Dokument.

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Eine Botschaft für Europa

Der inzwischen weltberühmte Gründungsakt hatte darüber hinaus nicht nur den Zweck, die europäischen Höfe und Staaten über die Entscheidung auf der anderen Seite des Atlantiks zu informieren. Er machte auch klar, dass sich die Amerikaner gegen eine ungerechte Herrschaft durch Großbritannien zur Wehr setzten, sie keine Rebellen wären und daher auf europäische Unterstützung zählten. Folglich wurde das Dokument in die alte Heimat geschickt, dort übersetzt und dann der europäischen Öffentlichkeit vorgestellt. Frankreich war das erste Land, das den neuen Staat 1778 anerkannte und mit ihm ein Militärbündnis schloss. Nachdem auch Großbritannien im Friedensvertrag von 1783 den früheren Kolonien ihre Unabhängigkeit zugestanden hatte, war der Hauptzweck der Erklärung erreicht. Sechs Jahre später trat die Verfassung der Vereinigten Staaten in Kraft – ausgerechnet im Jahr der Französischen Revolution, die in Europa einen ähnlichen Epochenwandel einläutete. So verbreiteten sich spätestens von da an auch im deutschsprachigen Raum die revolutionären Errungenschaften von Menschenrechten, Freiheit und Nationalismus.

Die Feierlichkeiten beginnen

Schon am ersten Jahrestag 1777 wurden in Boston morgens und abends je 13 Schüsse abgefeuert. Auch in Philadelphia, wo das Dokument ein Jahr zuvor unterzeichnet worden war, fanden Feierlichkeiten statt mit Ansprachen, gebeten, Musik, Paraden und einem ersten Feuerwerk. Doch es dauerte bis 1791, bis der Begriff „Independence Day“ das erste Mal verwendet wurde. Seither haben die Feierlichkeiten zugunsten dieses besonderen Tages ein enormes Ausmaß angenommen: Im ganzen Land künden Picknicks und Paraden, Konzerte, Feuerwerke und tausende von Flaggen von der amerikanischen Liebe zum Vaterland, untermalt von Liedern wie der Nationalhymne, „God Bless America“, „America the Beautiful“ und vielen anderen mehr. Die Themen, die das berühmte Dokument anschneidet, sind heute noch so aktuell wie damals und haben im 21. Jahrhundert nichts an Gültigkeit verloren. Auch deshalb erfährt der 4. Juli in Amerika jedes Jahr eine solch immense Aufmerksamkeit.

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Gut zu wissen

1 John Adams, der zweite US-Präsident, und Thomas Jefferson, der dritte US-Präsident, unterzeichneten beide die Declaration of Independence. Beide Männer starben am gleichen Tag – am 4. Juli 1826, dem 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung.

2 Die Unabhängigkeit wurde zwar am 4. Juli unterzeichnet, die Feierlichkeit dazu fanden aber vier Tage später am 8. Juli 1776 statt.

3 In Philadelphia finden sich zwei Wahrzeichen, die an die Unterzeichnung der Unabhängigkeit erinnern: Independence Hall und Liberty Bill. In ersterer wird jedes Jahr am 4. Juli das historische Ereignis nachgespielt und die Unabhängigkeitserklärung verlesen.

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