Die Vorfreude auf die fünfte Jahreszeit steigt

Spätestens seit 6. Januar verdichten sich im Südwesten die Zeichen: Die Fasnacht – oder Fastnacht, Fasnad und Fasnet – steht vor der Tür! Viele Narrenvereine haben bereits ihr Häs aus dem Schrank geholt, haben unter Teilnahme der Öffentlichkeit ihre Masken abgestaubt und die Fasnacht ausgerufen, den Schneeschreck oder andere Wesen geweckt und sich eingestimmt auf die fünfte Jahreszeit. Bis zum Schmotzigen Dunschtig am Donnerstag, 16. Februar, ist es schließlich nicht mehr weit.

Endlich wieder Straßenfasnacht!

Seit 2014 steht die Schwäbisch-alemannische Fastnacht im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Sie ist also viel mehr als nur eine große, mehrtägige Party. Nach einer pandemiebedingten Zwangspause fiebern viele Narren der diesjährigen Fasnacht sehnsüchtig entgegen. Endlich wird das Klingen von Schellen wieder in den Straßen zu hören sein. Endlich werden wieder die Töne von Fanfarenzügen und Guggenmusiken durch die Innenstädte hallen. Endlich finden wieder Umzüge statt und die am Bodensee, am Hochrhein und im Schwarzwald so beliebte und typische Straßenfasnacht. Doch wo kommt sie eigentlich her, diese Fasnacht?

Der Ursprung geht weit zurück

Wie es der Name bereits nahelegt, hat die Fasnacht ihren Ursprung historisch betrachtet im Christentum. Sie bezeichnet die Zeit, bevor die Fastenzeit beginnt, die wiederum am Ostersonntag endet. Hier wurde früher nochmal so richtig zugeschlagen mit allem, was in den 40 Tagen danach dann verboten war, darunter Alkohol, Fleisch, Fett und Eier. Alle verderblichen Speisen und Lebensmittel mussten vor dem Aschermittwoch aufgegessen sein. Bei genauem Hinsehen lässt sich die fünfte Jahreszeit aber auch auf heidnische Traditionen zurückführen, mit denen unter Verwendung von gruseligen Masken und viel Krach der Winter in seine Schranken gewiesen und vertrieben werden sollte. In ihrer heutigen Form etabliert hat sich die schwäbisch-alemannische Fasnacht aber erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Charakteristisch sind die „Larven“ oder „Schemmen“, also die Masken aus Holz, Pappmasché und anderen Materialien. Die Hästräger der Zünfte verändern ihre Verkleidung, das Häs, in der Regel nicht von Jahr zu Jahr, sondern behalten es über Jahre bei und vererben es unter Umständen sogar an die nächste Generation.

Umzüge vermitteln Vielfalt

Ein herrliches Bild von vielen verschiedenen Narrenzünften mit ihren Hästrägern vermitteln die Umzüge in der Region. Sie gehören zu den größten und buntesten Volksfesten im alemannischen Kulturraum. Vor allem die in Rottweil, Wolfach und Elzach sind weit über ihre Regionen hinaus bekannt, aber auch die diversen Zusammenkünfte von Narren am Bodensee, am Hochrhein und im Schwarzwald sind wahre Besuchermagneten. Der große Konstanzer Fasnachtsumzug am Fasnachtssonntag gehört dazu, aber auch der Nachtumzug der Schellenberghexen im Schwarzwald oder der Lörracher Umzug am Fasnachtssonntag. Hier wird auch auf den ersten Blick klar, was die Fastnacht von Karneval und Fasching unterscheidet. Zwar bezeichnen alle drei die fünfte Jahreszeit, doch gilt die Fasnacht als die Form, die am meisten auf Brauchtum ausgerichtet und auch ernster ist. Der Karneval ist höfischen Traditionen entsprungen und orientiert sich am venezianischen Carnevale, er ist mit seinen Prinzenpaaren, Prunksitzungen und seinem „Alaaf“ vor allem im Rheinland zuhause. Der Fasching hingegen herrscht in Bayern und Österreich vor. Von der Fasnacht ist lediglich im Süden Baden-Württembergs und in Teilen der Schweiz die Rede. Ob der korrekte Narrenruf hier „Narri-Narro“, „Ho Narro“, „Schnabel – Schnabel – Giere“ oder doch ganz anders lautet, hängt davon ab, in welcher Region, in welcher Stadt oder auch mit welcher Zunft die Fasnacht begangen wird. Wichtig: „Alaaf“ und „Helau“ sind auf jeden Fall fehl am Platz.

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