Natur und Kultur schätzen

Wenn etwas den Titel „UNESCO Welterbe“ trägt, dann muss es schon etwas ganz Besonderes sein. Das hat der diesjährige UNESCO-Welterbetag jüngst wieder einmal unter Beweis gestellt – nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch im Südwesten der Bundesrepublik. 51 Natur- und Kulturerbe-Stätten – drei davon in der Vierländerregion – sind in die Liste eingeschrieben.

Alle zusammen zeugen sie von der Vielfalt des Natur- und Kulturerbes in Deutschland. Vom Wattenmeer über den Kölner Dom, von den Buchenwäldern in Ostdeutschland bis hin zum Augsburger Wassermanagement-System – zusammen erzählen sie vielfältige Geschichten über das Leben, Wohnen und Arbeiten der Menschen weltweit. Da machen die Welterbestätten am Bodensee keine Ausnahme: die Klosterinsel Reichenau und die prähistorischen Pfahlbauten gehören zusammen mit dem Stiftsbezirk St. Gallen in der Schweiz zur erlesenen Auswahl.

Klosterinsel mit bedeutender Rolle im Mittelalter

Könnte man die UNESCO fragen, warum die Klosterinsel Reichenau auf der Liste steht, wäre die Antwort schnell parat: „Die Insel im Bodensee ist ein herausragendes Beispiel für die religiöse und kulturelle Rolle eines großen Benediktinerklosters im Mittelalter“, würde sie sagen. Und hinzufügen: „Die drei romanischen Kirchen der Insel aus dem 9. bis 11. Jahrhundert veranschaulichen die frühmittelalterliche Architektur in Mitteleuropa.“ Außerdem – so wäre ihre Argumentation – stellt das Ensemble der drei Kirchen auf der Insel ein außergewöhnliches Beispiel einer integrierten Gruppe aus mittelalterlichen Kirchen dar, die Elemente der karolingischen, ottonischen und salischen Architektur bewahrt haben. Wer jetzt nur noch Bahnhof versteht, sei beruhigt: Auf der Insel Reichenau ist es wunderschön, sie ist absolut sehenswert und ein außergewöhnlicher Flecken Erde – UNESCO-Welterbe hin oder her. Das wusste schon Wanderbischof Pirmin, der das Kloster im Jahr 724 auf der „reichen Au“ gründete.

Wohnen nicht am, sondern auf dem Wasser

Unter dem Sammelbegriff „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ hat die UNESCO 111 Relikte vergangener Siedlungen in sechs Ländern zusammengefasst. Sie stammen aus dem Jungneolithikum, der Bronze- sowie der frühen Eisenzeit. Dazu gehören neben etlichen anderen auch die Pfahlbauten in Allensbach, Bodman, Litzelstetten oder Unteruhldingen. Sie alle gewähren einzigartige Einblicke in Alltag, Landwirtschaft, Viehzucht und technische Innovationen der frühen Bauern und zählen seit 2011 zum UNESCO-Welterbe. Einbäume, Räder und Wagen erzählen vom Handel und der Mobilität in den frühen Siedlungsgemeinschaften. Zu den bedeutenden Funden gehören die ältesten Radfunde und Textilien Europas aus der Zeit um 3.000 vor Christus.

Medaillen_Pfahlbauten_Reichenau_Kulturerbe

Ein Barockensemble von Weltruhm

Fast 40 Jahre ist es her, dass die St. Galler Stiftskirche, die Stiftsbibliothek und die dazugehörigen Klostergebäude zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurden. Das Kloster war ein Brennpunkt der abendländischen Wissenschaft, ein Ort der Kultur und eine Stätte von großer Ausstrahlung. Viele der Handschriften und Urkunden, die hier im Lauf der Jahrhunderte entstanden sind, haben die Aufhebung des Klosters überdauert und können so für die Nachwelt aufbewahrt werden. Außergewöhnlich ist St. Gallen nicht nur wegen dieser original erhaltenen Schriften, sondern auch wegen seines weltberühmten Barocksaals. Das Ensemble geht zurück auf Gallus, der sich 612 im Steinachtal niederließ und mitten im Wald seine Einsiedelei aufbaute. Daraus entstanden das Kloster und schließlich die Stadt St. Gallen.

Gut zu wissen

  1. Sieben der 51 Welterbestätten der UNESCO liegen in Baden-Württemberg. Die Anträge wurden von der Bundesrepublik beim Welterbezentrum der UNESCO in Paris offiziell eingereicht. Jedes Jahr kann Deutschland eine Kulturerbestätte nominieren.
  2. Das Zisterzienserkloster Maulbronn (seit 1993), die Klosterinsel Reichenau (seit 2000), der Obergermanisch-Raetische Limes (seit 2005), die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen (seit 2011), die Le Corbusier-Häuser in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung (seit 2016) und die Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb (seit 2017) gehören dazu.
  3. Im Juli 2021 erfolgte die Eintragung von Baden-Baden in die UNESCO-Welterbeliste. Unter dem Titel „Great Spas of Europe“ ist eine Gruppe von elf bedeutenden europäischen Kurstädten in Österreich, Belgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien zusammengefasst.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.